Archive for Oktober, 2010

Mensch gegen Maschine

Donnerstag, Oktober 28th, 2010

Wieder einmal die alte Frage: Wer wird besser behandelt!?

Wenn ich mir überlege, dass Arbeitgeber sich äußerst schwer tun, Zugeständnisse bezüglich Urlaub, Arbeitszeit oder Mindestlohn zu machen, den Kündigungsschutz am liebsten gleich ganz kippen würden, nicht wirklich verstehen, warum sie im Krankheitsfall den Lohn fortzahlen sollen, der Krankenkassenanteil der AG’s eingefroren wird…

… wieso frage ich mich da bloß, warum technisch offensichtlich nicht ausgereifte und nicht ausreichend robuste Systeme immer mehr verbreitet werden? Ich rede mal wieder von meinen Lieblingen, den Packstationen. Als ich gestern Abend davor stand, leuchtete eine Meldung auf, dass die Packstation „in wenigen Minuten“ wieder zu meiner Verfügung stehen würde.  Skeptisch schaute ich eine Stunde später mit dem erwarteten (Miss-)Erfolg nochmal nach. Heute morgen, um 7:59 erreicht mich nun eine Meldung, dass „meine“ Packstation mir zur Zeit leider nicht zur Verfügung steht, aber ich informiert werde, sobald sie wieder läuft.

Mal abgesehen davon, dass ich noch herausfinden muss, ob sich der Absender bei der Nummer vertan hat oder DHL (128 statt 123), ist das mal wieder eine ziemlich müde Nummer…

Rentenfrage

Montag, Oktober 25th, 2010

Eigentlich sind wir doch auf dem besten Wege, die anstehenden Finanzierungsprobleme der Rentenkasse zu lösen. Holistisch betrachtet wird sowieso den meisten älteren Menschen zunehmend buchstäblich die Puste ausgehen, bevor sie das Rentenalter erreichen. Ich meine, unser Gesundheitssystem trägt schließlich Sorge dafür, dass nur die Leute ein hohes Alter erreichen, die sich dieses überhaupt leisten können. Die sind dann auch nicht auf die Rente angewiesen und die anderen liegen dem Staat nicht mehr auf der Tasche. (Für alle Blitzmerker: Ist jetzt schon eher Ironie als die eigene Meinung)

Expertenwesen

Donnerstag, Oktober 7th, 2010

Bei einer Sitzung für eine Gefährdungsbeurteilung saßen (fast) wie vorgesehen 6 Experten beisammen, ich war einer von diesen. Mal abgesehen davon, dass weder die eigentlichen Akteure (der Betrieb) ihr Erscheinen für nötig hielten noch dass der Moderator eher Schriftführer war und die Moderation von einem Kollegen übernommen wurde, wusste keiner so genau, wie man jetzt vorgehen soll. Aber das macht mir weniger Sorgen, als mitzuerleben, wie diese 6 Experten mit gefährlichem Halbwissen auf den Fachgebieten der anderen Schwachstellen im Gesamtkonzept  aufgefunden haben. Von meiner Meta-Ebene aus betrachtet sah das so aus, als würde eine Gruppe Hühner wild nach irgendwelchen Körnern picken. Die Frage, die sich mir aufdrängte, war die nach den wirklich nahrhaften, nicht gefundenen Körnern.

Im Grunde hat das System wunderbar funktioniert, denn wir haben in einer Gruppe ganz konstruktiv verschiedene Punkte aufgeworfen und Aufgaben verteilt. Mich wurmt lediglich, dass es einzig und allein vom Zufall abhängig ist, ob die Gefahr, die nun in 10 Jahren zu einer Verletzung eines Mitarbeiters führt, von den Experten wahrgenommen wurde. Diese stochastische Herangehensweise macht mich als strukturierten Denker eben etwas nachdenklich.

Winterreifenpflicht

Mittwoch, Oktober 6th, 2010

Dieser Meldung kann ich nur gutes abgewinnen.

Endlich würde man quasi einen Rechtsanspruch auf vernünftige Bereifung bei einem Mietwagen haben. Bislang darf man zwar den Wunsch nach Winterreifen äußern, diese auch extra bezahlen, aber es ist nicht gesagt, dass der Wagen dann auch in der gewünschten Ausstattung verfügbar ist. Also kann man wählen zwischen Taxi, anderem Anbieter (der dann aber auch keine WR-Fahrzeuge verfügbar hat) und der Option mit einem nicht betriebssicheren Fahrzeug am Straßenverkehr teilzunehmen und sich damit moralisch und im Falle eines (nicht einmal selbst verschuldeten) Unfalles auch strafrechtlich schuldig zu machen. Wieso ist eigentlich noch kein Vermieter, also der Halter eines Mietwagens für die Übergabe eines offensichtlich nicht betriebssicheren Fahrzeuges an einen dritten – und das auch noch gewerblich – in den Bau gewandert? Dann hätte der Verbraucher vermutlich auch jetzt schon bessere Karten.

Einig – und doch zerstritten

Freitag, Oktober 1st, 2010

Auf einer meiner Baustellen werden sich zur Zeit Auftraggeber und Auftragnehmer nicht so recht einig, wie die geplanten Arbeiten sicher durchzuführen sind.

Weil ich ein Verfechter offener Kommunikation bin und es nicht leiden kann, wenn bei so wichtigen Themen wie Arbeitsschutz nicht konstruktiv zusammengearbeitet wird, habe ich mich gedanklich mal wieder auf Ursachensuche gemacht. Nach einigem Überlegen und der Anwendung von NLP-Grundlagen fand ich zumindest eine gemeinsame Basis der beiden Parteien. Folgende Glaubenssätze finden sich in beiden Organisationen:

  1. Die Gesundheit der Mitarbeiter ist das höchste Gut und dieses gilt es zu schützen!
  2. Beim Gesundheitsschutz darf also nicht gespart werden, es sei denn, dadurch würden Arbeitsplätze gefährdet, weil der Profit nicht mehr zur Befriedigung der Shareholder ausreicht.

Der zweite Glaubenssatz klingt blasphemisch, ist aber im Kern sogar nach dem Willen des Gesetzgebers, der ja lediglich angemessene Maßnahmen nach dem Stand der Technik fordert und sogar davon Abstand nimmt, wenn es wirtschaftlich nicht tragbar ist.

Dumm nur, wenn in einer Situation für den Auftraggeber der erste Satz ganz oben steht, während der Auftragnehmer bereits den zweiten Satz zu erfüllen sucht. Fremdes Geld „auszugeben“ fällt eben leichter.

Aber abgesehen davon liegt die Herausforderung zur Lösung der Differenzen in einem gemeinsamen Bewertungssystem. Nicht nur das tatsächliche Risiko wird hier von beiden Parteien unterschidlich eingeschätzt, sondern auch die Wirksamkeit der gewählten Maßnahmen.

Wahrnehmung und Denken

Freitag, Oktober 1st, 2010

Es ist schon so eine Sache mit der Wahrnehmung. Sie ist zu jeder Zeit rein subjektiv.

Manchmal frage ich mich aber doch, wie viele Tomaten man auf den Augen, Ohren und sonstigen Sinnesorganen haben muss – oder ich selbst vielleicht habe – dass so eine Differenz zwischen der Wahrnehmung eines z.B. Ingenieurs und eines Einkäufers besteht. Ein Beispiel:

Der Ingenieur legt fest, welche Eigenschaften ein Produkt oder allgemeiner eine Leistung haben soll. Der Einkäufer schaut sich dann auf dem Markt um und kauft diese Leistung für einen möglichst niedrigen Preis ein. Was genau läuft da eigentlich tausendfach schief in unserer Wirtschaft, dass es bei diesen Einkäufen immer wieder zu immensen Kostenüberschreitungen kommt

Liegt es daran, dass zum Beispiel Autos bei Henkel bestellt werden? Oder Fernseher bei Bosch?

Wie kann der Einkauf einer Organisation (mehrfach) damit durchkommen, dass „Leistungserbringer“ den Zuschlag erhalten, die nach augenscheinlicher Prüfung eines Laien nicht in der Lage sind, die gewünschte Leistung zu erbringen? Was reitet den Manager, der dies nicht nur zulässt, sondern dafür auch noch hohe Boni zahlt, da ja zehntausend Euro „eingespart“ wurden (bei einem 10 Mio-Projekt), welches im nachhinein allerdings Nachträge in 20facher Höhe verzeichnet? Ist es deshalb, weil dies ja der Projektleiter zu verantworten hat? Wieso wird der eigentlich nicht gehört?

Wieso ist dieser Zusammenhang eigentlich ein offenes Geheimnis? Wieso weiß davon jeder, der mal ein Projekt mitgemacht hat, aber es interessiert niemanden, der Entscheidungen fällt. Ist es denn unterm Strich nicht wesentlich sinnvoller, eine Firma zu beauftragen, die eine realistische, zielgenaue Kalkulation ihrer Leistung zu machen im Stande ist? Diese gibt es inzwischen ja kaum noch, weil das Spiel mit dem gegenseitigen Unterbieten mit dem sicheren Wissen, dafür nicht tätig werden zu können, ja von allen Seiten mitgespielt wird. Nicht umsonst werden ja zehn Prozent Nachträge auf die um 5 Prozent gedrückten Angebotes als Reserve bei der Projektkalkulation aufgeschlagen.

Wer genau hat sich dieses System des Selbstbetruges eigentlich ausgedacht, und wer findet es ernsthaft so fördernswert, dass er dabei mitspielt?