Archive for November, 2010

Woher nehmen?

Donnerstag, November 18th, 2010

Selbst stehlen hilft da nicht.

Bei den Kommentaren zu diesem Artikel  über einen Rentner, der mit 72 noch Arbeiten gehen muss, weil seine Rente nicht zum (über)leben reicht, hatte ich ja mit allem gerechnet. Dass er selbst Schuld sei, weil er doch alles verprasst hat, dass man eben angesichts einer endlichen Geldmenge entscheiden muss, wann man sie wie einsetzt, und auch, dass es ein Skandal sei, dass er jahrelang hart gearbeitet hat und nun mit nichts dasteht.

Die traurige Wahrheit, die sich aber herauskristallisiert hat, ist der auswegslose Zusammenhang zwischen Volkswirtschaft und Sozialsystem: Spart man sein Geld für die Rente, sinkt der Konsum, die Arbeitslosigkeit steigt, die Löhne sinken und man kann entweder nicht mehr so viel sparen oder noch weniger konsumieren. Gibt man sein Geld aus, liegt man nicht nur der nächsten und übernächsten Generation auf der Tasche, sondern kann sich einen geruhsamen Lebensabend mal ganz gepflegt von der Backe putzen. Und für beides – grenzenloser Konsum heute und Sparen für morgen – hat kaum jemand die nötigen Einnahmen. Traurig daran ist, dass diese Zusammenhänge schon lange bekannt sind und alle klugen Köpfe der Welt noch nicht so recht einen Ausweg gefunden haben. Außer vielleicht zurück auf die Bäume…

Angesichts der Perspektive, dass das Leben eher ungeplant früher endet als ungeplant außergewöhnlich lange dauert, neige ich entgegen meiner Erziehung und Überzeugung allmählich dazu, weniger sparsam zu sein.

Flugprotest

Mittwoch, November 17th, 2010

Diese Aktion mit dem Sitzstreik in der Ryanair-Maschine finde ich ja nicht so schlecht. Was es allerdings bringen soll, in einem geparkten Flugzeug auszuharren, ist mir nicht ganz klar. Würde es noch weiterfliegen, würde man damit wenigstens noch einen Image-Schaden verursachen, dass noch mehr Fluggäste länger warten müssen. Aber da gibt es ja nicht mehr viel Image zu beschädigen. Bin ja mal gespannt, wann 10€ pro Strecke und Fahrgast für den Sicherheitsgurt berechnet werden.
Aber Ryanair befindet sich zumindest was Verspätungen angeht in guter Gesellschaft. Der Flug mit Airberlin nach Thailand hatte auch fast eine Stunde Verspätung. Und auf dem Rückflug war dann das Gepäck von ca. 50 Fluggästen weg. Eine Stunde nach Landung kam dann die Durchsage: „Das Flugzeug ist leer. Wer jetzt immer noch auf sein Gepäck wartet wendet sich bitte an AirBerlin.“ Die zwei Damen waren etwas überfordert und es dauerte eine weitere Stunde, bis etwa die Hälfte der Gepäcklosen abgefertigt waren. Ein paar Wochen später ging es dann nach Rom drei Stunden zu spät los und 4 Stunden zu spät zurück, in einer geteilten Maschine (also zwei statt eine, was die Hotline von AB total überfordert hat, bei der die Abholer anrufen sollten). In CGN statt DUS warteten wir dann noch eine geschlagene Stunde auf’s Gepäck – das erstaunlicherweise vollständig war – und waren so statt 20:15 in DUS um 1:20 in CGN, von wo aus wir mit dem Bus nach DUS hätten gebracht werden können. Also so etwa 6-6,5 Stunden Verspätung bei der Ankunft…

Verkehrs“sünder“?

Mittwoch, November 10th, 2010

Dieser Artikel ist doch mal ein interessanter Hinweis. Wenn ein Richter alle Temposünder freispricht, weil es für deren Überwachung keine Gesetzesgrundlage gibt, da frage ich mich doch, wofür es Gesetze gibt, deren Einhaltung nicht überwacht werden darf bzw. deren Übertretung nur unter bestimmten Vorraussetzungen geahndet werden darf. Da muss man doch dringend mal an unserem Rechtssystem arbeiten! Sonst bleibt der Ehrliche ja bis ans Ende aller Tage der Dumme.

Werden Schläger neuerdings auch nur noch wegen Körperverletzung verfolgt, wenn sie keinen nachvollziehbaren Grund für die Schläge haben? Oder ist die Verfolgung eingeschränkt, wenn er einen körperlich überlegenen Pazifist angreift, da der sich ja hätte wehren können?

Also nochmal, wenn eine Gemeinde an einer Stelle blitzt, wo regelmäßig zu schnell gefahren wird – etwa in einem Industriegebiet – dann dürfen Verstöße nur geahndet werden, wenn dort auch vermehrt Schulkinder angefahren werden!?

Würde man das Tempolimit an sich an dieser Stelle in Frage stellen, würde ich mir das gefallen lassen. Dann soll sich der in der Ausübung seiner Bürgerrechte beschnittene Autofahrer doch beschweren und eine Änderung der Beschilderung einklagen. Danach darf er dort dann so schnell fahren, wie ein Gericht entschieden hat.

Wer sich ernsthaft beschwert, dass er wegen einer Tempoüberschreitung zahlen muss, obwohl dort in seinen Augen doch gar keine gefährliche Stelle ist, sollte meiner Meinung nach mal dringend zur MPU. Und jeder, der in seinem Kommentar diesem Richter ein Lob ausspricht ebenfalls. Oder brauche ich mich von nun an auch nur noch an die Gesellschaftsregeln halten, die ich für richtig halte?

Glaubwürdigkeit

Mittwoch, November 10th, 2010

Wenn ich mir die jüngste Berichterstattung zu dem Disput zwischen Schröder und Bush antue, frage ich mich allen ernstes, ob da über die Glaubwürdigkeit von Politikern diskutiert wird.

1. Politiker sind in erster Linie Ihren Parteien gegenüber verantwortlich. Da muss offensichtlich schon einmal gegen die eigene Überzeugung vorgegangen werden, um an anderer Stelle Kompromisse zu erreichen.

2. Gewählte Politiker müssen auf eine gewisse Art populistisch agieren, denn die Wähler sind nicht nur dumm, sondern vergessen darüber hinaus auch nur all zu schnell (zum Beispiel die – nicht umgesetzten – Wahlversprechen von der letzten Wahl)

3. Was wir als „Normalsterbliche“ über die Wahrheit erfahren, ist lediglich das, was uns die Medien mit all ihren Filtern und Eingriffsmöglichkeiten glauben macht. Wer setzt sich nach einem Artikel über die Auswirkungen von geplanten Steueränderungen denn hin und rechnet die Beispiele anhand der offiziellen Angaben, die man sich zunächst auch erst noch verschaffen muss, selber nach? An den Stammtischen dieser Welt wird doch lediglich reproduziert, was uns von den Medien vorgekaut wurde und uns einigermaßen plausibel erscheint. Wer anderes tut ist gleich ein „Verschwörungstheoretiker“.

Oder um es noch drastischer auszudrücken: Wer die Memoiren von Bush liest, erwartet doch hoffentlich nicht mehr als eine unterhaltsame Geschichte, so wie etwa dieErzählungen über einen gewissen Herrn Münchhausen.

Ich sollte meine Kritik ernst nehmen und meine Energie in produktiveres Umlenken, als mich mit solchen Dingen zu beschäftigen!

Delegieren und Anweisungen

Freitag, November 5th, 2010

Was habe ich davon zu halten, wenn ich auf die Frage: „Geht das und wenn ja, wie?“ Die Antwort bekomme: „Im Prinzip ja, das musst Du nur mit dem Kunden absprechen.“

Ich empfinde diese Antwort ungefähr so hilfreich, wie den Passus in der Bedienungsanleitung des Autos: „Zum Deaktivieren des Airbags den Airbag-Überbrückungsschalter betätigen“ Wann und wie, drücken oder ziehen oder drehen, geschweige denn die Information, wo sich dieser befinden könnte – das alles ist ja nicht relevant, um die Anweisung umzusetzen.

Andererseits, wenn ich detailierte Anweisungen gebe, was meine Mitarbeiter tun sollen, dann machen sie ja eh‘ nur die Hälfte, wenn sie engagiert sind. Ansonsten gehen meine Absichten auf dem Weg vom Ohr des Kollegen zu seiner Hand auf mysteriöse Weise verloren.

Jedenfalls tragen solche Antworten weder zur Effektivität noch zum Umsatz bei, denn jetzt macht das halt eine andere Firma, die auf Zuruf solche Dinge erledigen kann. Schade!