Selbst stehlen hilft da nicht.
Bei den Kommentaren zu diesem Artikel über einen Rentner, der mit 72 noch Arbeiten gehen muss, weil seine Rente nicht zum (über)leben reicht, hatte ich ja mit allem gerechnet. Dass er selbst Schuld sei, weil er doch alles verprasst hat, dass man eben angesichts einer endlichen Geldmenge entscheiden muss, wann man sie wie einsetzt, und auch, dass es ein Skandal sei, dass er jahrelang hart gearbeitet hat und nun mit nichts dasteht.
Die traurige Wahrheit, die sich aber herauskristallisiert hat, ist der auswegslose Zusammenhang zwischen Volkswirtschaft und Sozialsystem: Spart man sein Geld für die Rente, sinkt der Konsum, die Arbeitslosigkeit steigt, die Löhne sinken und man kann entweder nicht mehr so viel sparen oder noch weniger konsumieren. Gibt man sein Geld aus, liegt man nicht nur der nächsten und übernächsten Generation auf der Tasche, sondern kann sich einen geruhsamen Lebensabend mal ganz gepflegt von der Backe putzen. Und für beides – grenzenloser Konsum heute und Sparen für morgen – hat kaum jemand die nötigen Einnahmen. Traurig daran ist, dass diese Zusammenhänge schon lange bekannt sind und alle klugen Köpfe der Welt noch nicht so recht einen Ausweg gefunden haben. Außer vielleicht zurück auf die Bäume…
Angesichts der Perspektive, dass das Leben eher ungeplant früher endet als ungeplant außergewöhnlich lange dauert, neige ich entgegen meiner Erziehung und Überzeugung allmählich dazu, weniger sparsam zu sein.