Archive for Mai, 2010

(Fehl-)entscheidungen

Montag, Mai 17th, 2010

Als ich dies hier las (Lufthansa trennt sich von Sicherheitspilot) war mir nicht so richtig klar, was nun der Beweggrund dafür sein könnte.

Okay, er ist eingeknickt und hat die Gefahren durch die Aschewolke weniger stark gewichtet als die Umsatzeinbrüche, was seiner Rolle vermutlich nicht entspricht. Dass er die Entscheidung nach Überlegungszeit jedoch bedauerte, zeugt meiner Meinung nach eher von Charakterstärke und hat aus meiner Sicht zur Folge, dass dieser Mann, der einen Fehler in seiner Handlungsweise erkannt hat, etwas gelernt hat und bei einer ähnlichen Situation vielleicht intensiver prüft, wie seine Empfehlung ausfällt. Sich daraufhin von ihm zu distanzieren legt für mich die Vermutung nahe, dass jemand nachrücken soll, den man genauso leicht manipulieren kann wie ihn vor seiner Erkenntnis.

LIDL – Der Sozial-Discounter

Freitag, Mai 14th, 2010

Nachdem Lidl ja seine Werbung zurückziehen musste, in der die Arbeitsbedingungen gepriesen wurden, unter denen die Lidl-Angebote gefertigt werden, gibt es aus meiner Sicht ein weiteres Eigentor.

Als ich heute (nach etwas längerer Zeit) mal wieder zum Lidl bin, standen 3 Leute vor der Tür, die mir unbedingt einen Flyer in die Hand drücken wollten. Hinter ihnen (neben dem Ausgang) waren Gitterboxen mit bunt gewürfeltem Inhalt aufgebaut. Nach einiger Zeit schnallte ich, dass es sich um einen Aktion der „Tafel“ handelte, in der dazu aufgefordert wurde, irgendeinen Artikel mehr zu kaufen und diesen in eben jene Boxen zur Verwendung bzw. Verteilung durch die Tafel zu spenden.

Die Werbewirksamkeit dieser Aktion wage ich in Zweifel zu ziehen. Der durchschnittliche Lidl-Kunde hat offensichtlich nicht wirklich viel für die Tafel über, denn nur einige Tage nach Einführung der Spendentaste für die Tafel an den Leergutrücknahmeautomaten wurden diese durch eine kaum zu untergreifende Abdeckung geschützt. Offensichtlich gab es wohl mit einigen Kunden einen gewissen Stress, die unwillkürlich an die Tafel spendeten statt ihren Leergutbon an der Kasse einlösen zu können.

Diese Kunden dürfen nun Artikel, die in den nächsten 2 Tagen ablaufen werden, mit 30% Preisnachlass selber kaufen, um diese dann der Tafel zu spenden. Wollte sich Lidl ernsthaft für die sozial schlechter gestellten Mitbürger einsetzen, wäre dann ein Hinweis darauf, dass es eben keine Preisnachlässe bei Frischwaren gibt, weil die Reste der Tafel gespendet werden, nicht wirkungsvoller – vorrausgesetzt die Produkte würden dann auch gespendet – als der Beweis, dass dem Konzern ein verlorener Kunde, der sich beim Einkaufen nicht vorhalten lassen möchte, dass er unsozial ist, weniger wichtig ist als fast abgelaufene Lebensmittel als Spende durch andere Kunden sponsorn zu lasse?

Geld regiert die Welt?

Freitag, Mai 7th, 2010

Kann man diese These noch nachvollziehen? Also ich halte es da eher mit Roger Cicero, aber davon ab kann man sich für Geld offensichtlich auch nichts mehr kaufen. Also nichts brauchbares meine ich – geschweige denn gutes.

Wie ich darauf komme? Außer meinen eigenen Beobachtungen mit meinen wirklich schwer berschränkten Mitteln ist mir bei einem Auftraggeber – der größte Deutschland-Standort eines der 4 Global Player in einer gut verdienenenden Industrie – folgendes aufgefallen:

Bei der Einführung eines neuen Zugangskontrollsystems – das alte hatte in den letzten Monaten mehrere Ausfälle über einen längeren Zeitraum – ist so ziemlich alles schief gelaufen, was bei mangelhafter Planung schief laufen kann.

Ein Kernpunkt der Problematik ist wohl, dass die vorhandenen Ausweise mit einer zusätzlichen Codierung ausgestattet werden müssen. Ob das technisch unbedingt notwendig ist, kann ich nicht beurteilen. Die physische Anwesenheit des Ausweises für diesen Vorgang sei dann mal dem Deutschen Datenschutz geschuldet. Jedenfalls gibt es einen vorgegebenen Zeitraum, außerhalb der normalen Ein- bzw. Ausgangszeitpunkte der Beschäftigten. Durchaus sinnvoll, wenn es großen Andrang zu vermeiden gilt. Nicht so günstig für die Mitarbeiter, deren Chefs mit deren Anwesenheit an einem bestimmten Punkt des Werkgeländes Geld verdienen, der nicht zwangsläufig mit dem Büro außerhalb des Werkgeländes zusammenfällt, in dem die Neucodierung stattfindet.

Jedenfalls wurde ein Zeitraum kommuniziert, in dem diese Codierung vollzogen werden muss, da sonst kein Zutritt zum Gelände mehr möglich sei. Pünktlich eine Woche vor Ablauf dieser Frist werden dann in einer Tag-und-Regen-Aktion die Zugangssensoren ausgetauscht – natürlich ohne eine irgendwie geartete Kommunikation des Vorganges. Mit dem Erfolg, dass die ersten Mitarbeiter schon gar nicht mehr vom Gelände weg kommen, weil sie entweder die neuen Sensoren nicht finden oder die Ausweise eben nicht mehr funktionieren. Am nächsten Morgen dann das gleiche Bild: Heerscharen frustrierter Arbeiter benötigen einen Besucherausweis.

Was ich mich an dieser Stelle Frage: Kann oder will sich ein so großes Unternehmen keine Kompetenten Partner für eine solche Aktion leisten, oder schlimmer: Gibt es diesen kompetenten Partner gar nicht?

Ich empfinde und werte diese Aktion wieder einmal als Lehrstück der Ignoranz von grundlegenden psychologischen Effekten oder kurz: Der totalen Unfähigkeit im Umgang mit Menschen!

Wenn man – wie hier bewiesen – so wenig verstanden hat, wie Menschen handeln, was ihre Motive sind, was ihre Bedürfnisse – wie kann man da ernsthaft denken, man könne Einfluss auf diese Menschen nehmen???

Tankstellenboykott

Montag, Mai 3rd, 2010

Gerade bin ich über einen Kommentar gestolpert, der dazu aufruft, BP/ARAL zu boykottieren, weil denen ja im Golf von Mexico gerade eine Ölplattform abgeraucht ist.

Ich persönlich tanke ja schon seit Jahren nur noch bei ConocoPhillips, aus Prinzip und weil’s da irgendwie im Schnitt am günstigsten ist. Dummerweise hat dieser Kommentar nun bei mir aber die Frage aufgeworfen, ob die tatsächlich bessere Sicherheitsstandards oder bloß etwas mehr Glück haben…