Man kann ja so einiges erleben, wenn man heutzutage eine Ware erstehen möchte.
Hier möchte ich heute aber weder auf den Zustand eingehen, dass man häufiger gefühlte Stunden anstehen muss, um sein Geld gegen überteuerte Produkte zu tauschen, noch auf die Gespräche anderer Kunden oder gar mit den Kassierern in Warteschlangen, ich möchte von einem Autokauf(-versuch) erzählen:
Bis dass der TÜV uns scheidet – das ist leider oft genug all zu wahr. Ein neues altes Auto musste her, der Preisrahmen und auch die anderen Ansprüche waren schnell abgesteckt und die Suche konnte beginnen. Im unteren Preissegment, wo man noch brauchbare Fahrzeuge erstehen kann, so bis 5000,- etwa. Um die 100.000km und 10 Jahre alt, mit mehr als 100PS. Eigentlich nicht all zu schwierig, würden die Fahrzeuge nicht alle nach Afrika verschifft.
Umso erfreuter war ich, als ich einen Händler ausmachte, bei dem gleich mehrere Fahrzeuge in Frage kamen. Also bin ich dort vorbeigefahren und habe mich mal umgesehen. Als ich ihn (Typ: geschminkter Türke) dann auf ein bestimmtes im Internet entdecktes Fahrzeug angesprochen habe, hat er mich vielleicht zur Sau gemacht. Das stände auf dem anderen PLatz, sie wären gerade mitten im Umzug und man könne nur einen Platz angeben. Außerdem hätte ich doch gefälligst vorher anrufen sollen, dann hätte ich das schon erfahren. Ich könne mir das Fahrzeug dort aber anschauen. Ich habe den Platz natürlich nicht gefunden. Dieses Erlebnis wäre im Grunde Anlass genug gewesen, mit diesem Menschen keine Geschäfte zu machen. Dummerweise sind die Alternativen aber zu rar.
Ein paar Tage später hatte ich mir Unterstützung für eine Probefahrt organisiert. Um nicht wieder so angefahren zu werden wie beim ersten Mal rief ich vorher an. Am Telefon erhielt ich den nächsten Anschiss: Ich solle doch gefälligst vorbeikommen, dann würden wir gemeinsam zu dem anderen Platz fahren, dann könne ich auch meine Probefahrt machen. Wohlgemerkt von der selben Person, die vorher angerufen werden wollte.
Am Platz angekommen war der Chef nicht da, sondern auf dem anderen Platz. Wir guckten uns ein anderes Fahrzeug an, dass auch in Frage kommen würde. Als er dann endlich auftauchte und wir um eine Probefahrt mit dem Fahrzeug auf dem anderen Platz baten, lehnte er dankend ab, er sei heute schon 15 Mal hin und her gefahren. Wir hatten eine Anreise von 60km und schilderten ihm dass wir auf jeden Fall eines seiner Autos kaufen wollten, nur eben noch nicht ganz sicher seien, welches. Wir sollten uns doch erstmal auf ein Auto konzentrieren und das dann kaufen oder nicht, war sein Vorschlag.
Nach einigem hin und her überredeten wir ihn, uns zu begleiten und eine Probefahrt machen zu dürfen. Er machte aber zur Beingung, dass wir auch seriös seien. Wohlgemerkt, ich hatte das dritte Mal Kontakt aufgenommen, wir hatten 70 km Anfahrt, wir hatten klar gemacht, dass wir heute ein Auto kaufen wollten, und last but not least: All seine Unfreundlichkeitenund Unprofessionalität hat uns noch nicht auf dem Absatz kehrt machen lassen.
Der Wagen – laut Anzeige in Topzustand – stellte sich als abwrackprämienverschmähtes Gefährt heraus. Aber er hatte auch ncoh einen Mondeo und einen Passat auf dem Platz. Also haben wir uns den Mondeo angeschaut und einen Rostfleck auf der Motorhaube entdeckt. Der Chef hat gleich seinen Lackstift rausgeholt und das „beseitigt“, damit „der nächste Kunden das nicht entdeckt“ (O-Ton!). Trotzdem haben wir noch eine Probefahrt mit dem Auto gemacht, nach seinen Worten einmal vom Hof und die Straße rauf und runter (Industriegebiet, aber nicht wirklich aussagekräftige Strecke). Also haben wir wenigstens einen Ausritt auf die Landstraße unternommen und dabei festgestellt, dass weder der Motor kraftvoll genug noch die Klimaanlage funktionstüchtig ist. Beides erwähnt ging er auf den Defekt nicht ein, und die Motorleistung schob er auf uns, wir wüssten nicht, wie man Auto fährt, er wäre den Wagen gefahren und er sei wirklich Sahne. Nunja, auf der Fahrt zu dem Platz hat er gezeigt, dass er auch mit untermotorisierten Kleinwagen im Industriegebiet nahe 90 km/h fahren kann, unter Aufbietung von Drehzahlen oberhalb des Maximums. Naja, jedenfalls versuchten wir ihn, uns auch den Passat nochmal fahren zu lassen, aber er wollte dann doch kein Auto verkaufen und schob das dann wieder auf uns. Er hätte gleich gewusst, dass wir kein Auto kaufen würden.
Wenn ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster lehne, dann war vermutlich die Frage nach der Probefahrt sein Signal für diese Vermutung. Wer auf eine Probefahrt besteht, stellt einfach zu hohe Ansprüche für sein Angebot.
Fazit: Wer im Kölner Raum ein Auto im Preisbereich 5000 Euro sucht, sollte einen riesigen Bogen um den Händler mit dem größten Angebot machen!