Archive for Dezember, 2010

WikiLeaks

Dienstag, Dezember 7th, 2010

Was tut WikiLeaks eigentlich?

Sehen wir mal von den offensichtlichen Urheberrechtsverletzungen ab, aufgrund derer nun einige Anbieter die Inhalte von ihren Servern entfernen „durften“,

was ist illegal an den Veröffentlichungen?

Es ist offensichtlich, hier wurde das Vertrauen der Ersteller der Dokumente auf deren Geheimhaltung gebrochen.

Warum ist das aber illegal?

Ganz allgemein geht es um den Schutz vorMissbrauch einer Information. Schwer vorzustellen, wie eine Information, die nun aber allen zugänglich ist, missbraucht werden kann. Und ich denke, dies ist der Ansatz, der Assange mit seiner Idee verfolgt.

Alle Informationen haben einen höheren Wert, solange sie nicht jedem zugänglich sind. Werden nun die Informationen „entwertet“, indem sie allen zur Verfügung gestellt werden, wo liegt da der globale Schaden? Provokant, aber konsequent zu Ende gedacht eine echte Alternative. Selbst die Abschaffung von Unternehmensgeheimnissen würde global gesehen nur positive Auswirkungen haben, wenn es auch lokal gesehen die Entwicklungsarbeit, die der Erkenntnis von „neuen“ Informationen vorrausgeht, in ein Ungleichgewicht bringt. Da stellt sich die Frage nach der Motivation, wobei eine nachhaltige Zukunft für den Planeten und seine Bewohner zwar eine schöne Vorstellung ist, der dritte Porsche in der Garage aber eine ungleich höhere Anziehungskraft darstellt. Ja, ich denke man kann davon ausgehen, dass sich die Geschwindigkeit des Fortschrittes ohne Porsches sich durchschnittlich nicht nur auf der Straße verlangesamen würde. Zum Stillstand kommen würde er aber nicht, dafür ist der Mensch seiner Natur nach viel zu neugierig und faul. Langsamerer Fortschritt verbrennt aber auch weniger Ressourcen und ist in sich zuverlässiger, wie man an den immer kürzer werdenden Produktzyklen und die damit verbundene Zuverlässigkeit der Produkte unschwer erkennen kann.

Was soll man nun von WikiLeaks halten?

Einerseits gilt es natürlich „kleinstaatliche“ Interessen zu wahren. Außerdem ist eine Bloßstellung von Personen (die hier als berichtende nur eine untergeordnete Rolle spielen) immer mit dem Risiko einer ungerechtfertigten Diffamierung verbunden. Inwiefern das „System“ zu den Handlungen der einzelnen beiträgt, mag manchmal außer Sicht geraten. Letztlich muss sich aber jeder einzelne immer wieder erneut die Frage stellen, welche Werte des System, in dem er sich befindet, für ihn persönlich vertretbar sind und welche er aufgrund seines Werteverständnisses ablehnt. Insofern Respekt vor denjenigen (in den meisten Fällen Diplomaten), die sich nun nicht in Entschuldigungen verstricken sondern zu den Ränkespielen stehen, die aufgedeckt wurden.

Andererseits sollte in einer globalen Welt doch auch mit weitgehend offenen Karten gespielt werden können. Wenn also „geheime“ Dokumente veröffentlicht werden, in denen „vertraute“ Quellen in Misskredit gezogen werden, dann darf man sich doch auch nicht beschweren. Lügen und vorspielen falscher Tatsachen gilt dochwohl in fast allen (westlichen) Kulturen als verwerflich und nicht erstrebenswert. Hingegen gibt es im arabischen Raum ja das Verständnis, dass zu einer Täuschung immer zwei Seiten gehören, die sich die „Schuld“ zu gleichen Teilen teilen. Auch wenn ich grundsätzlich einen gewissen Charme dieses Gleichheitsgrundsatzes teilweise erliege, bin ich aufgrund meiner kulturellen Prägung in letzter Konsequenz eher an der Ansicht orientiert, dass es das Leben viel einfacher macht, wenn man ehrlich und offen miteinander umgeht und dabei Kompromisse aushandelt, die beiden Seiten weh tun, aber auch für beide Seiten erträglich bleiben.

Das nun gerade der Heilsbringer der westlichen Welt, die geschätzten und geachteten USA, die Freiheit, Demokratie und Frieden in alle reinprügeln, die sie nicht haben wollen,  sich den eher westlichen Werten Ehrlichkeit und Offenheit so massiv entgegenstellen, indem eine erstarkte – wenn auch zum Glück immer noch nicht mehrheitsfähige – Sarah Palin den Gründer von WikiLeaks auf eine Stufe mit den Terroristen von AlQuaida stell, dann lässt das zwei Wertungen zu:

1. Die konsequente Verbreitung, Beachtung und Verteidigung aller als Ideale propagierten Werte der westlichen Welt ist genauso gefährlich wie deren Abschaffung.

2. AlQuaida ist gar nicht an der Zerschlagung, sondern an der Verbreitung und Stärkung der Werte der westlichen Gesellschaften interessiert.

Ich tendiere  dabei zu der ersten Interpretation, denn wie durch Bush jr. eindrucksvoll bestätigt wurde, ist das amerikanische Volk gerne bereit, Werte wie Ehrlichkeit und Menschenrechte für persönlichen Profit oder zurDurchsetzung der eigenen Ideologie in den Wind zu schreiben. Traurig, wo sie doch so stolz auf die legendäre Ehrlichkeit ihres ersten Präsidenten Georg Washington sind.

Die Frage, die WikiLeaks aufwirft, die aber nur die Gesellschaft beantworten kann: Wer darf entscheiden, welche Informationen wem zugänglich sind? Schließlich wird auch von WikiLeaks wie von jedem Presseorgan permanent gefiltert, welche „geleakten“ Informationen veröffentlicht werden sollen.

Dreistigkeit siegt

Freitag, Dezember 3rd, 2010

Das ist ja schon lange bekannt. Aber manchmal frage ich mich immer noch, warum einigen keine Grenzen gesetzt werden und andere wiederum ihre eigenen Grenzen aus eigenem Antrieb immer weiter beschneiden.

Also ich gehöre wohl situationsabhängig zu beiden Lagern. Wenn ich mir überlege, was ich gestern und vorgestern unserem hohen Baustellenbesuch zu schlucken gegeben habe, und momentan sieht es nicht danach aus, als würde irgendetwas davon Konsequenzen haben, dann frage ich mich, was man anstellen muss, um beachtet zu werden…

Das Ende des Pragmatismus

Mittwoch, Dezember 1st, 2010

Ich bin zu so einem Manager geworden, die ich so verabscheue. Die alle Hebel in Bewegung setzen, ihren Besuchern ein möglichst perfektes Bild zu liefern, anstatt sich nicht verunsichern zu lassen und einfach im Tagesgeschäft fortzufahren und die Schwachpunkte offen zu zeigen, um diese dann verbessern zu können.

Aber wenn ein Berater als Hilfe angesehen werden möchte, und nicht als Belastung, müsste er seine Empfehlungen dann nicht auch als Ratschlag verkaufen und die Entscheidung darüber seinem Kunden überlassen? Hier kommen allerdings nur Befehle an, deren Nichtbefolgung mit penetrantem Nerven bestraft wird.

 

Was mich zum Kern meiner Ausführungen führt: Welche Charakterwerte bringen einen dazu, die eigenen Ansichten losgelöst von den Rahmenbedingungen als einzig richtige anzusehen!? Ist es mangelnde Demut? Ich meine, ich wurde so erzogen und habe das auch immer wieder erfahren, dass ich vielleicht nicht alle Details überblicke, die für eine vollständige und richtige Einschätzung einer Situation bestimmend sind. Gibt es Menschen, die das können? Oder gibt es nur Menschen, die entweder nie verstehen, dass es so ist oder ihre eigene Unfähigkeit erfolgreich ausblenden. Ich meine, wer bin ich, dass ich anderen vorschreiben kann, was richtig und was falsch ist? Habe ich die Verantwortung dafür und muss ich auch die Konsequenzen tragen, dann habe ich sicherlich ein gewisses Recht, meine Meinung als Wahrheit zu vertreten, aber wenn andere die Konsequenzen tragen, darf ich dann deren Erfahrungen und Bewertungen ignorieren?

 

Jeder Mensch hat eine Weltsicht, und wenn wir uns in groben Zügen auch (fast) alle einig sind – Schwerkraft existiert und lässt die Dinge herunterfallen – so ist es im Detail oft eine Frage des Standpunktes oder Blickwinkels – so stimmt selbst der sehr lange Konsens über die Schwerkraft nicht im Space-Shuttle im Einsatz.

 

Ich weiß, ohne Konvention über die Realität wäre kein praktisches Leben möglich und wir sollten die Gegebenheiten, die sich im Alltag bestätigt haben, auch als verbindlich akzeptieren, aber wo endet Pragmatismus und beginnt Engstirnigkeit?