Archive for Juli, 2011

Einstein hatte recht

Freitag, Juli 1st, 2011

mit dem, was er über die zwei (vermutlich) unendlichen Dinge sagte. Anders kann ich mir nicht erklären, warum bei einer so existenziellen Frage wie der Atomkraft auch heute noch keine Einigkeit besteht.

Wenn ich heute lese, wie unterschiedlich Presse und Bevölkerung (vertreten durchprofilierungsgetriebene Foristen) den Ausstieg vom Wiedereinstieg bewerten – wobei ja immer noch die Frage offen ist, in wie weit die Presse überhaupt werten darf -, dann frage ich mich, wie man allen Ernstes die noch so geringste Chance auf die Verstrahlung eines Gebietes – bestenfalls der Größe des Saarlandes – für den potentiellen Wohlstand in Kauf nehmen kann. Und das sage ich als nicht-Vater, dem die Zukunft dieses Landes, des Kontinentsund gar der ganzen Weltfast völlig egal sein könnte. Irgendestwas müssen meine Eltern bei meiner Erziehung falsch gemacht haben, dass ich meinen Mitmenschen und meiner sonstigen Umwelt gegenüber soviel Respekt zeige, dass ich dafür meinen persönlichen Vorteil außer Acht lasse.

Zurück zum Thema: Wie ist es um die intellektuellen Fähigkeiten der Atomkraft-Befürworter gestellt, wenn die Begründung der Sicherheit deutscher Atomkraftwerke nach Fokushima lautet: „Hier gibt es aber keine Tsunamis!“ Genau diese Ignoranz gegenüber möglichen Risiken hat uns doch die Ereignisse in Fokushima eingebracht. Abstrahieren gehört aber offensichtlich nicht zur Stärke unserer führenden Geister in Wirtschaft und Politik – oder sie verbergen diese Fähigkeit im Dienste ihrer Shareholder sehr erfolgreich.

Die Wahrnehmung und Bewertung eines Risikos ist eben abhängig von den Alltagserfahrungen – und eine Atomkatastrophe entzieht sich diesem Bewertungsmaßstab – zum Glück! Fakt ist, dass bei allen menschlichen Eigenschaften – begonnen mit mangelnder Fantasie für mögliche Ereignisse (wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass Deutschland 2022 ohne Atomkraft darstehen würde?), über die Möglichkeit des Irrtums bis hin zu Faulheit und allen anderen Formen von Oportunismus – eine Technik mit solchen potentiellen Auswirkungen nicht beherrschbar ist. Wenn letztendlich eine fehlende Schraube oder eine Schweißnaht für den Tod und das Leid von so vielen Menschen verantwortlich sein kann, wer findet sich, der dafür die Verantwortung übernimmt. Die Politiker, die das vordergründig tun, sind ja per Gesetz vor ihren Irrtümern geschützt. Sonst hätte wohl kein vernünftiger Mensch dem Entsorgungskonzept der „Asse“ zugestimmt.

Ich weiß, welcher Aufwand in AKW’s zur Sicherstellung der Sicherheit getrieben wird – dennoch findet sich nicht ein Versicherer, der bereit wäre, das Risiko zu tragen. Wenn dann andererseits vom „Tod des Kapitalismus“ gesprochen wird, wenn die Politik entscheidet, dieses Risiko nicht mehr der Allgemeinheit aufzubürden – denn so ist die Rechtslage zur Zeit – dann verstehe ich es nicht. Jeder Unternehmer muss das Risiko, das mit seinen Geschäftstätigkeiten verbunden ist, selber tragen. Meiner Meinung nach könnten wir an der Stelle gerne den Atomkonzernen den Weiterbetrieb ihrer ach so günstigen Kraftwerke erlauben, wenn sie nachweislich den potenziellen Schaden decken können und die Entsorgungskosten dauerhaft selbst übernehmen – was die Sicherung der noch nicht gefundenen Endlagerstätten für die nächsten hunderttausend Jahre einschließt. So könnte das „Recht am Eigentum“, auf das sich E.ON und RWE berufen, gewahrt bleiben und die Atomkraftwerke ausgeschaltet – absolut im Einklang mit den Mechanismen des Kapitalismus.

Meine Güte, was ist mit unserer Wirtschaftselite los, dass die Verantwortung ihren Shareholdern und der eigenen Kasse gegenüber soviel schwerer wiegt als die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, die ihnen ihren Wohlstand erst ermöglicht.