Tja, liebe Presse, mit der Formulierung Atomkraftwerkbetreiber „schlampte“ habt ihr ja mal wieder den Vogel der objektiven Berichterstattung abgeschossen. Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis diese Meldung auftaucht. Ich schätze allerdings, wir Menschen brauchen solche Meldungen, damit wir überhaupt noch schlafen können, bei all den Risiken, die wir täglich eingehen (müssen). Es gaukelt uns vor, dass wir bloß besser aufpassen müssen und so vor ähnlichen Auswirkungen verschont bleiben. Es gibt uns dieses Maß an Kontrolle zurück, das wir benötigen, um den Umgang mit dem Risiko überhaupt rechtfertigen zu können.
Wer stellt in Zweifel, dass sich für jede von Menschen gemachte Katastrophe – oder auch nur für die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die Menschen – „Schuldige“ finden lassen, die ex post alles gewusst haben (könnten)? Mal abgesehen davon, dass man hinterher immer ein wenig schlauer ist als vorher – so funktioniert lernen übrigens ganz grundsätzlich – glaubt wirklich nur ein vernünftiger Mensch daran, dass es ähnliches bei anderen Betreibern nicht gibt? Die japanische Regierung wusste davon und hat 3 Monate Zeit zur Abstellung der Mängel gegeben. Insofern ist es – völlig unabhängig von den technischen Zusammenhängen zwischen den Mängeln und der heutigen Situation – aus meiner Sicht abwegig, hier davon zu sprechen, dass es sich um die sichersten Kraftwerke der Welt handelt. Egal ob in Japan, Deutschland, in USA oder Frankreich. Habe ich die Zusammenhänge falsch verstanden, oder ist nicht eben genau die Zuverlässigkeit des Kühlsystems die Krux bei der ganzen Atomkraft? Und man kann auch nicht mal eben ein AKW abschalten und dann braucht man das Kühlsystem nicht mehr, oder? Es benötigt u.U. mehrere Jahre, bis die Brennstäbe ohne Kühlsystem keinen unmittelbaren Schaden mehr anrichten können, oder?
Bei Wikipedia habe ich allerdings aufgeschnappt, dass zumindest die deutschen AKW’s immer wieder mit ungeplanten Revisionen überaschen. Wird hier die Sicherheit zu ernst genommen oder ist bloß die Zuverlässigkeit der Systeme so gering?
Wer jetzt allen Ernstes meint, dass ja die Untersuchung der Ereignisse weitere Schwachstellen in den Sicherheitskonzepten aufwerfen wird und zukünftig (!) gebaute AKW’s aus dieser Erfahrung heraus sicherer werden, der hat damit recht! Allerdings nimmt er auch bewusst in Kauf, dass irgendein anderer, nicht anzunehmender Unfall einen weiteren Landstrich unseres Planeten auf unbestimmte Zeit nahezu unbewohnbar macht. Das ist dann eben der Preis, den eine Gesellschaft für Ihren Hunger auf „saubere“ Energie zahlen muss. Den zahlen vermutlich allerdings hunderte nachfolgende Generationen für vielleicht 3 bis maximal 5 Generationen, die diese Technik überhaupt nutzen wollen und werden (Uranvorkommen gehen zur Neige, Fortschritt erschließt neue Energiequellen).
Mit der selben Argumentation könnte man die Entwicklung der modernen Transportsysteme, insbesondere der Luftfahrt verteufeln. Wo wären wir ohne diese? Sicherlich wäre eine so radikaleund rasche Globalisierung der Märkte ohne diese nicht möglich gewesen. Das bedeutet, es wäre durch die Bank weg wirtschaftlicher, Waren vor Ort zu produzieren, als sie zweimal um den Globus zu schicken (was übrigens außerdem die Umwelt belastet). Damit wären natürlich die Gewinne schmaler – insbesondere von global orientierten Unternehmen, die es in dieser Hinsicht ja gar nicht geben würde. Was wäre das für eine Welt, in der ein Mann seine Familie von seiner Hände Arbeit ernähren könnte? Sicherlich eine, in der nicht jeder Schüler ein halbes Jahr in Australien verbringen kann, zweimal im Jahr Urlaub am Ballermann gemacht wird, …